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Die Kirmes hat ihren Ursprung im Fest der Kirchweih. Seit 1598 gibt es in Floh eine Kirche, zunächst eine Holzkirche, die nach dem Bau der jetzigen abgerissen wurde. Der vorhandene Opferstock erinnert an sie.

Drei Brände um die Jahrhundertwende in Floh haben das meiste Archivmaterial vernichtet, so daß die Aussagen auf mündlichen Überlieferungen basieren.

Seit Jahrhunderten feierte man in Floh in der dritten Septemberwoche die Kirmes. Es war der Höhepunkt des Jahres, auf den sich alles konzentrierte. Tanzvergnügen waren damals selten, denn die Dorfvorsteher gaben solche nicht gern frei.

Die Vorbereitungen zur Kirmes zogen sich über viele Wochen hin. Für neue Schuhe, eine neues Kleid oder einen neuen Anzug mußte in manchen Jahre - besonders in der Weltwirtschaftskrise - lange gespart werden.

Floh teilte sich in die Oberen und die Unteren. Im Oberdorf richteten Auguste und Ernst Stengel im Gasthaus Zum Adler über viele Jahre die Kirmes aus. Die Unterdörfer feierten im Löwen - im Volksmund Schmiede genannt - bei Johannes Eck und seinem Sohn Karl. In der Gaststätte Zum Bahnhof veranstaltete der ehemalige Meininger Philip Laux eine Art Hauskirmes, bei der es auch hoch herging. Die zentrale Lage der Gaststätte Leffler - die Bräuer waren hier ansässig - sorgte schon seit dem 16. Jahrhundert für ein lustiges Treiben. Gefeiert wurde auch im kleinen Saal der Gaststätte Böhm. Die Gasthausbesitzer erhielten oft Besuch von den Brauereibesitzern, die dann ein Faß Freibier spendierten.

Ein wichtiger Platz war der unter der Dorflinde, denn dort standen die Buden, die Karussells, die Schiffschaukeln. Immer wieder beliebt war „Haut den Lukas“ ! Es war auch der Platz für manchen Schabernack. Hatten es die Kirmesburschen doch einmal fertiggebracht, die Linde unter einem Riesenzelt zu „verstecken“. Aber die kühlen Abende ließen dort wohl nicht die richtige Stimmung aufkommen

Das „geteilte“ Dorf besaß natürlich zwei Kirmesgesellschaften, die miteinander um die beste Musik und die größte Anzahl der Paare für den Umzug wetteiferten. Die größten Kapellen kamen von Finsterbergen, Meiningen und Eisenach. Es gab manche Reiberei in den Vorkirmestagen, die zum Fest aber alle beigelegt waren.

Nach dem Leberessen am Freitagabend wurde am Sonnabend zum Kommersabend die Kirmes angetrunken. Das war reine Männersache bei Konzertmusik und natürlich viel Spaß. Die Frauen hatten indes zu Hause ihre Vorbereitungen zu treffen. Zum Festgottesdienst am Sonntag erschienen auch die Kapellen, die danach die Ehrenständchen vor den Bürgerhäusern spielten und somit für die ersten einnahmen in den Kassen sorgten.

Zu den Umzügen wurden die Kirmesbräute von zu Hause abgeholt. Jetzt fand das „Orakeln“ über die Paare ein Ende, und aus so manchem Kirmespaar wurde früher oder später ein Ehepaar.

Die Umzüge wurden von den Platzmeistern, erkennbar an farbigen Rosetten am Anzug, angeführt. Angetan mit einem großen weißen Schurz trugen die Fahnenschwenker die Kirmesfahnen voran. Viele Gäste säumten die Straßenränder, um den Umzug zu sehen, aber auch um den berühmten Rahmkuchen zu kosten. Überall duftete es köstlich nach Braten. Hauseigener saftiger Schinken, Knack- und Bratwurst gehörten zu den leckeren Brotzeiten.

Nach dem Umzug wurde zu Streich- und Blasmusik auf den Sälen getanzt: Polka, Walzer, Rheinländer und Marsch. Eine Stunde dauerte ein Tanz oft. Für ein Solo wurde von Auswärtigen gleich das Tanzgeld kassiert - bei Einheimischen holte man es später ab. Um Mitternacht gab es eine größere Pause für einen Imbiß. Bis in die frühen Morgenstunden wurde weitergetanzt. Die Tanzpausen nutzte man zu Polonaise und Hüpfringel. Dabei sang man Lieder wie: „wenn der Vater mit der Mutter auf die Kirmes geht...“ oder „Kirmes ist heut - Essen und Trinken zum Zeitvertreib... und immer wieder erklang der Ruf: !Jihuh Kirmes“.

Großer Beliebtheit erfreute sich der Frühschoppen am Montag - grenzenlos war oft der Durst...

Seit langer Zeit werden die Flöher die Pferdeköpfe genannt, im Ortsjargon die „Pfareheider“. Und so galt die Wette: Ein Landwirt führte sein Pferd in ein vollbesetztes Gastzimmer und zum Fenster. So konnte man von draußen den Pferdekopf sehen.

Viel zu schnell nahm der Frohsinn eine Ende. Am Dienstag wurde bei Trauermusik und entsprechenden Reden die Kirmes begraben, natürlich schon mit der Freude auf das nächste Mal.

Erwähnenswert ist ein Umzug der „Oberen“ in den dreißiger Jahren. Sie hatten einen Trachtenzug mit originalen Trachten organisiert, bei dem u.a. die Hessenhose und der Bauernkittel zu sehen waren.

Bedingt durch die politischen Verhältnisse der Zeit  vor bis nach dem zweiten Weltkrieg blieb als Überbleibsel des großen Festes nur noch hier und da eine Hauskirmes.

Die vorhandene Kirmesmüdigkeit fand 1990 in Floh ein Ende. zum ersten Male feierte man wieder richtig Kirmes. So viele Gäste hatte Floh lange nicht gesehen. Damit wurde der Wunsch laut, daß alte Traditionen wieder zu neuem Leben erwachen und jedes Jahr freudig der Ons Kirmes erschallen möge.

Ab da an feierte man in Floh jedes Jahr am Wochenende um den vierten Sonntag im September Kirmes. Von Jahr zu Jahr kamen mehr Gäste und auch die Umzugsteilnehmer wurden mehr und mehr. So war die Organisation des Festes nicht mehr so einfach. Also gründete man im Jahr 1996 den Kirmesverein Floh. Dort arbeiteten fortan ältere und jüngere Kirmesburschen daran, die Kirmes zu organisieren. Inzwischen ist die Kirmes wieder das, was sie einmal war - der Höhepunkt des Jahres. Und auch alte Traditionen leben
wieder auf: Kirmesantrinken, Leberesssen, Rahmkuchen, gutes Essen, Spaß, Musik, Platzmeister, bunte Rosetten, Kirmesfahnen, Kapellen, Festgottesdienst, Umzug, Ehrenständchen, Extratouren, Hüpfringel, Frühschoppen, Kirmesbeerdigung und natürlich Kirmesruf und Kirmeswalzer.

 
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